Nagelkreuzgemeinde

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Vorab möchte ich darauf hinweisen, das ich den nachfolgenden Text aus der Videoaufzeichnung abgeschrieben habe.  Für eventuelle Fehler, weil ich es akustisch nicht verstehen konnte, bitte ich hiermit um Nachsicht.

Plauen, die Kirchen der Stadt Plauen- die gesamte Stadt Plauen ist eine Nagelkreuzgemeinschaft.

Am 14. November läuft 1940 flog die deutsche Luftwaffe unter den Decknamen „Unternehmen Mondscheinsonate, einen schweren Luftangriff auf die mittelenglische Stadt Coventry. Mit über 550 Toten war der Angriff, der die meisten Todesopfer aller deutschen Luftangriffe in England forderte.

Darüber hinaus wurden große Teile der Innenstadt und unersetzliche Kulturgüter den Erdboden gleichgemacht. Aufgrund des hohen Zerstörungsgrades erfand der nationalsozialistische Propagandaminister Joseph Göbbels den Begriff coventieren für die Vernichtung. Einer Stadt aus der Luft.

Auch die, im 14. Jahrhunderte erbaute Kathedrale der Stadt war in Flammen aufgegangen. Nur die Außenmauern standen noch.

Am Morgen nach der Zerstörung fand der Steinmetz, Jock Forbes, in der Ruine zwei verkohlte mittelalterliche Dachbalken die in Form eines Kreuzes aufeinander gefallen waren. Er band sie zusammen, und stellte sie in der Ruine auf. Noch an dem Tag, nach dem Brand

wurde es Dom- Propst, Richard Howard klar, dass die Kathedrale wieder aufgebaut werden müsse. Einige Zeit nach der Zerstörung ließ er mit einem verkohlten Stück Holz die Botschaft „Father forgive“ auf die Wand hinter dem Ruinenalter schreiben.

Bewusst verzichtete er dabei, auf die Fortsetzung „Vater vergibt Ihnen“.

Und im Verfasserbrief wurde gemahnt „Seid untereinander freundlich, herzlich und vergebet einer dem anderen, wie Gott euch vergeben hat, in Jesus Christus.

Entstanden aus diesen Worten, das Versöhnungsgebet von Coventry, das bis heute jeden Freitag in der Ruine der Kathedrale und an zahlreichen Orten weltweit gebetet wird, so auch jeden Mittwoch 18:00 Uhr in der Johanniskirche. Für Richard Howard bedeuteten die Worte „Vater vergib“ die Verpflichtung, dem Feind die Hand zu reichen.

Nicht Bitterkeit oder der Hass oder der Wunsch nach Vergeltung sollte die Zukunft prägen, sondern die Hoffnung auf Versöhnung, Vergebung und Frieden. Bereits am Weihnachtstag 1940 hatte er in einer landesweiten Rundfunkübertragung aus der Ruine der Kathedrale dazu aufgerufen, keine Rache zu üben, sondern nach dem Ende des Krieges gemeinsam mit dem Feind an einer freundlichen, dem Christusgedanken  ähnlicher werdenden Welt zu arbeiten. Als Zeichen dieser Verpflichtung und Verheißung formte der Pfarrer aus 3 Zimmermannsnägeln, aus dem Dachbalken der verbrannten mittelalterlichen Kathedrale das Nagelkreuz.

Nagelkreuzgemeinschaft sind wir dadurch geworden und in einem Aufsatz aus dem Jahr 2013 schreibt er dem Reporter die Ziele der Nagelkreuzgemeinschaft so:

 Als ein Netzwerk ganz normaler Menschen müssen wir heute in einer Welt, die immer noch von Gewalt geprägt ist, eine neue Stimme finden. Um die vorherrschende Kriegskultur unserer Tage herauszufordern und zu verwandeln. Die Wunden der Geschichte zu heilen mit Unterschiedenheit zu leben und Vielfalt zu feiern und eine Kultur des Friedens zu schaffen, sind dabei die Schwerpunkte dieser Arbeit.

Am 10 April 2021 wurden deshalb die St. Johanniskirche mit einer Übergabe des Nagelkreuzes aus Coventry zum ökumenischen Nagelkreuzzentrum Plauen. Jeden Mittwoch versammeln sich Christinnen und Christen verschiedener Konfessionen und Anliegen im Gebet für die Stadt für die Welt vor Gott zu bringen.

Jede und jeder ist mittwochs zum Friedensgebiet in die Johanniskirche, 18:00 Uhr herzlich eingeladen.

Außerdem haben wir ein Wandernagelkreuz, das zwischen verschiedenen Kirchen und Einrichtungen der Stadt wandert. Das Nagelkreuz befindet sich im Moment noch im Foyer des Rathauses und wird zum Bußtags Gottesdienst weiterwandern in die Markus Carlos Gemeinde.

Ja, und dieses Wandernagelkreuz,  darum geht es, um an Versöhnung zu erinnern und das Versöhnungsgebiet von Coventry  zu beten. Denken wir daran, Versöhnung kann, wie in großen aber auch im Kleinen, in schwierigen Zeiten möglich werden und uns zum Frieden bringen.